Die Geschichte
der Sophienschule Hof
|
|
|
|
|
100
Jahre Sophienschule Hof 1899 – 1999
Ein geschichtlicher Rückblick von Karl Benker
1. Vom
Bau der Schule bis zum Ersten Weltkrieg
Im
Jahre 1894 waren die Schülerzahlen im 4. Schulbezirk so stark
angestiegen, dass die Räume im 1876 fertig gestellten 3.
Schulhaus am Wilhelmsplatz, der späteren Pestalozzischule, zu
klein waren. Lehrer Schwab beantragte deshalb in einem Schreiben an die
königliche Bezirksschulinspektion vom 18.10.1894 die
Errichtung einer weiteren 5. Knabenklasse und begründete die
Eingabe damit, dass in dem bisher zur Verfügung stehenden Raum
für 81 Schüler “das Schreiben in Hefte
beinahe, das Zeichnen ganz unmöglich” sei.
Der
Magistrat und das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten der
Stadt Hof stimmten in ihren Sitzungen am 19. und März 1895
“der Errichtung einer 5. Knabenklasse im 4. Schulbezirk und
der damit verbundenen Turnabteilung” zu. Die
königliche Regierung in Bayreuth, Kammer des Inneren,
genehmigte das Vorhaben am 19. April 1895.
Aber bereits am 9. April 1896
richtete Pfarrverweser Scheiding eine Eingabe an den Magistrat, in der
er auf dringende bauliche Mängel hinweist und notwendige
hygienische Verbesserungen im Klassenzimmer fordert. In Beantwortung
dieser Eingabe Scheidings schlug der städtische Baurat Thomas
zum ersten Mal die Errichtung eines neuen Schulhauses im schottschen
Garten für rund 200.000 Mark vor. Bürgermeister Mann
stellte den Antrag bis zur Klärung der
Grundstücksfrage zurück. Inzwischen war die
Schulraumnot immer prekärer geworden.
Die Bevölkerung
Hofs hatte zwischen 1890 und 1900, hervorgerufen durch die starke
Belebung der Textilindustrie (1899: 200.000 Spindeln; 1894: 25.000
Zwirnspindeln; 1899: doppelt so viele Webstühle wie 1884), um
8.326 Einwohner zugenommen. Eine Übersicht, die der seit
Anfang 1897 amtierende Stadtschulrat Wißmath im Auftrage des
Magistrats erstellte und am 16. März 1897 dem Gremium als
Entscheidungshilfe vorlegte, verdeutlicht die schulische Situation:
Hof
hatte zu diesem Zeitpunkt 3.782 Schüler in 55 Klassen, was
einer Durchschnittszahl von knapp 69 Kindern pro Klasse entsprach.
Sechs Klassen umfassten eine Schülerzahl von 80 – 99
Knaben und Mädchen. Zum Vergleich: In Bamberg saßen
rund 59 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, in
Bayreuth betrug der Klassendurchschnitt ca. 61 Kinder.
Da durch die
neuen Fabriken in Hof eine erhebliche Zunahme der Schülerzahl
zu erwarten war (allein 1896 180 Schulkinder mehr), entschied der
Stadtmagistrat am 16. März 1897, ein neues Schulhaus zu bauen.
130.000 Mark sollten zur Finanzierung aus der Schuldentilgungskasse
entnommen werden. Schulrat Wißmath wurde beauftragt, nach den
Wohnungen der Schulkinder eine provisorische Einteilung der
Schulbezirke vorzunehmen. Auf der Grundlage dieser Neugliederung sollte
dann der Bauplatz für das neue Schulhaus festgelegt werden.
Schulrat Wißmath berichtete kurze Zeit später dem
Stadtmagistrat über “Frequenzverhältnisse
der deutschen Schulen, Überfüllung der Klassen, die
Notwendigkeit eines Schulhausbaus und eine neue
Schulbezirkseinteilung”. Für das zu bauende
“Schulhaus am Sophienberger Kirchhof” sah
Wißmaths Plan 949 Schüler in 20 Klassen vor.
Der
neue IV. Schulbezirk umfasste folgende Straßen: Alsenberger
Weg, Alter Torweg, Bachstraße, Bahnhofstraße,
Bahnhofsplatz, Bayreuther Straße, Bergstraße,
Biengäßchen, untere Bismarckstraße, untere
Friedrichstraße, Königstraße,
Liebigstraße, Lorenzgäßchen, untere
Lorenzstraße, untere Marienstraße,
Mühlstraße, Mühlwinkel,
Münsterstraße, Neuer Bahnhof, Pfarr, Rinnlein,
Sedanstraße, Sophienberg, von-der-Tann-Straße,
Wilhelmsplatz, untere Wilhelmstraße, Wittelsbacher Platz,
Wörthstraße, Wunsiedler Straße.
Der Magistrat genehmigte am 4. Mai 1897 den Kauf des vormals
schottschen Gartengrundstücks auf dem Sophienberg von dem
damaligen Eigentümer Baumeister Wilhelm Laubmann zum Preis von
23.000 Mark. Die Gemeindebevollmächtigten stimmten am 10. Mai
1897 dem Magistratsbeschluss, den Kauf des
Schulhausgrundstücks betreffend, zu. Der Vertrag über
den Kauf des Grundstücks auf dem Sophienberg (Plannummer 1957
1/9) in der Größe von 0,257 ha zu 23.000 Mark wurde
am 11. Mai 1897 zwischen der Stadt, vertreten durch Rechtsrat Eduard
Tremel, und Baumeister Wilhelm Laubmann abgeschlossen.
In der Folgezeit bildete sich eine Kommission für den
Schulhausbau, bestehend aus Bürgermeister Mann, Stadtbaurat
Thomas, Schulrat Wißmath, den Magistratsräten
Hendel, Rahm, Rammensee sowie den Gemeindebevollmächtigten
Brecheis, Klotz, Rödel, Wellhöfer und dem Revisor
Fischer als Protokollführer, die in ihrer ersten Sitzung am
25. Oktober 1897 feststellte, dass das neue Schulhaus
“inmitten eines sich neu bildenden Stadtteiles in ruhiger
Lage” liegen werde. Das Gebäude sollte
Zentralheizung, Konferenzzimmer, Lehrmittelzimmer, eine ausreichende
Zahl Klassenräume, Unterbringungsmöglichkeiten
für Garderobe und eine Schulküche enthalten. Um
endgültige Beschlüsse fassen zu können,
besichtigten die Mitglieder der Baukommission am 4. November 1897 die
erst vor kurzem errichtete 6. Bürgerschule an der
Reißiger Straße in Plauen. Die dabei gewonnenen
neuen Eindrücke und Erkenntnisse flossen in die Bauplanungen
ein. Das Gebäude sollte in “Rohbau”, d. h.
mit roten und lederfarbenen Verblendsteinen, der Sockel in Granit und
die Gesimse in Sandstein ausgeführt werden. Das vor dem
Bauplatz stehende Kriegerdenkmal musste versetzt und gegenüber
im Sophienberger Friedhof, dem späteren Wittelsbacher Park,
neu aufgestellt werden.
Ende 1897 begann die Projektierung: Baurat Thomas lieferte den ersten
Entwurf, Ingenieur Mollweide, der den Bau leitete, und
Bauführer Hopf arbeiteten die Pläne aus. Der
Bezirksarzt Dr. Tuppert erhob in seinem Gutachten vom 27. Januar 1898
keine Bedenken und Einwände gegen die Planungen. Auch die
Finanzierung war durch die Aufnahme einer Restanleihe von 100.000 Mark,
die nach einem detaillierten Verzinsungs- und Tilgungsplan im Jahre
1961(!) zurückgezahlt sein sollte, gesichert. Aber die
königliche Regierung von Oberfranken, Kammer des Inneren,
erhob in einer Stellungnahme zu den eingereichten Plänen
grundsätzliche Einwände. So monierte die
Aufsichtsbehörde die mangelnde “architektonische
Durchbildung” des Gebäudes. Sie sei zu
nüchtern und entspreche nicht den Anforderungen des modernen
Städtebaus. Als positives Beispiel wurden Bauzeichnungen eines
Spitals und eines Schulhauses in München beigelegt. Da die
projektierte Anlage an dem viel begangenen Weg vom Bahnhof zur Stadt zu
stehen komme und die Stadt ohnehin arm an architektonisch oder
historisch interessanten Objekten sei, sollte der neue gemeindliche Bau
in gefälliger Ausführung erstellt werden. Eine
Ideenskizze des Kreisbaureferates wurde beigelegt. Da die
Beanstandungen der königlichen Regierung eine völlige
Änderung des Projektes notwendig machten, war an einen
baldigen Beginn des Baus nicht zu denken.
Das Stadtbauamt arbeitete nun
auf der Grundlage der aufsichtsbehördlichen Anregungen einen
neuen Fassadenplan aus, vermied kostspielige und luxuriöse
Besonderheiten und änderte den Kostenvoranschlag, der jetzt
einen Mehrbetrag von 1.700 Mark vorsah. Im Jahr 1898 konnten aus den
genannten Gründen nur die Erdarbeiten ausgeführt und
der Rohbau errichtet werden. Der Stadtmagistrat war einverstanden, dass
anstelle eines gedeckten Ganges zwischen Schulhaus und Turnhalle aus
Sauberkeitsgründen ein Weg aus Klinkerplättchen
gelegt werden sollte. Auch Hausflur und Korridore in allen Stockwerken
sollten nicht mehr, wie ursprünglich geplant, in Beton,
sondern mit gerieften Plättchen ausgeführt werden.
Das Baureferat der königlichen Regierung in Bayreuth
genehmigte in seinem Antwortschreiben an den Magistrat der Stadt Hof
vom 10. Juli 1898 die revidierten Pläne, und der
Regierungspräsident, als Chef der Aufsichtsbehörde,
gab grünes Licht für die von Schulrat
Wißmath beantragte Neueinteilung der Hofer Schulbezirke.
1899 vor der
Fertigstellung
Angesichts
dieser zeitlichen Verzögerungen konnte die Stadt den
“Baubetriebsplan”, nach dem die Arbeiten am 12.
April 1898 begonnen werden und am 15. August 1899 abgeschlossen sein
sollten, nicht mehr einhalten. Ende Juli 1898 erfolgte in Anwesenheit
der Kommission für das Gemeinde- und Stiftungsbauwesen die
Absteckung des Schulgrundstückes und der Gebäude.
Unter der Leitung von Ingenieur Mollweide beaufsichtigten in der ersten
Hälfte der Bauzeit Bauführer Berthold Hopf und in der
zweiten Hälfte Bauführer Paul den Fortgang der
Arbeiten. Den Baumeistern Johann Martin Brecheis und Peter Funk wurden
die Maurerarbeiten übertragen. Die Zimmererarbeiten vergab der
Magistrat an H. Christian Peters. Die Dachdeckerarbeiten
führte die Firma Heinrich Degel aus. Mit den Flaschnerarbeiten
beauftragte man K. Hübschmann, mit den Schlos-serarbeiten die
Betriebe Stöckel und Sommer. Die Herren Stöhr,
Pößnecker, Karl, Herpich und Bader waren
für die Tischlerarbeiten zuständig, Wilhelm Rasp
verglaste die Fenster und die Firmen Krisack und Schiefelbein bekamen
die Malerarbeiten übertragen. Die Parkettböden
lieferten die Passauer und Bamberger Parkettfabriken. Zu einem weiteren
Fußboden kamen Platten aus der “Deutschen Xylolith
(Holzstein)-Fabrik” in Potschappel-Dresden. Von der Firma
Kaufmann in Berneck stammten die Sandsteine. Das Rehauer
Granitsteingeschäft Georg Heinritz lieferte die Syenitsteine,
die Korridorplatten beschaffte die Firma Lindner in Fichtelberg. Die
Turmuhr baute der Hofer Hans Leykauf ein, die Dampfniederdruckheizung
die Nürnberger Firma Meyer und Junge. Mit physikalischen
Geräten stattete Herr Heß (Hof) die Schule aus. Die
übrigen Lehrmittel kaufte die Stadt Hof in Leipzig und
München.
Geringere Verzögerungen stellten sich durch
Meinungsverschiedenheiten zwischen den bauausführenden Firmen,
in Sonderheit Herrn Baumeister Funk, und der Bauaufsicht (Herr Hopf)
ein. Trotz aller Bemühungen, das Schulgebäude
termingerecht zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 fertigzustellen,
mussten Bürgermeister Mann und Schulrat Wißmath bei
der Regierung in Bayreuth, in dem Schreiben vom 12. September 1899, um
einen späteren Beginn des Schuljahres nachsuchen. Die
Genehmigung hierfür wurde am 16. September erteilt. Die
Einladungen gingen am 15. September 1899 an den Stadtmagistrat (1
Bürgermeister und 16 Magistratsräte), das Kollegium
der Gemeindebevollmächtigten (36 Personen), die
Stadtschulkommission (5 Pfarrer, 5 Magistratsräte, 5
Oberlehrer als Schulleiter der 5 deutschen Schulen, 1 Verwalter der
Pfandleihanstalt(!)), Baumeister Brecheis und Funk sowie den
Medizinalrat Dr. Tuppert.
Der Leiter der neuen Schule am Sophienberg,
Oberlehrer Lieb, bekam von der Stadtschulkommission die Anweisung am
Tag der Eröffnung des Schulhauses und des gleichzeitigen
Schuljahresanfangs, dem 25. September 1899, dafür Sorge zu
tragen, dass sich um 8.00 Uhr alle Schülerinnen und
Schüler des IV. Schulbezirkes in ihren Klassenzimmern
einfinden. Gleichzeitig sollten alle schulpflichtig werdenden Kinder
des genannten Bezirkes unter Vorlage des Impfscheines angemeldet
werden.
In Anwesenheit der Mitglieder der städtischen
Kollegien, des Bürgermeisters Hofrat Mann, der Pfarrer Burger
und Buchholz, des Schulrats Wißmath, der Lehrerabordnungen
aus den übrigen Hofer Schulen, des Schulleiters Lieb und der
Lehrer, Schülerinnen und Schüler der neuen Schule
wurde am Montag, dem 25. September 1899, um 10 Uhr das Gebäude
im Rahmen einer würdigen Feier seiner Bestimmung
übergeben.
Der Choral “Jehova”, gesungen von
sämtlichen Schülerinnen und Schülern der
Oberklassen unter der Leitung von Lehrer Krämer und auf dem
Harmonium begleitet von Oberlehrer Lieb, eröffnete die Feier
in der Turnhalle. Es folgte ein Prolog, gesprochen von der
Schülerin Hilpert der 7. Mädchenklasse. Den
Höhepunkt bildete die Rede des Bürgermeisters Mann,
an deren Ende er die Schule ihrer Bestimmung übergab. Im
Anschluss daran sang die Festversammlung die Königshymne. Dann
ergriff Schulrat Wißmath das Wort und richtete vor allem an
die Lehrer die Rückert-Verse:
“Die Zukunft habt ihr, ihr habt das Vaterland.
Ihr habt der Jugend Herz, Erzieher, in der Hand!
Was ihr dem lockern Grund einpflanzt,
wird Wurzeln schlagen;
was ihr dem Zweig einimpft, wird Früchte tragen.
Bedenkt, dass sie zum Heil der Welt das werden sollen,
was wir geworden nicht und haben werden wollen.”
Nach
beiden Reden brachten Knaben, Mädchen und die Lehrerschaft des
IV. Schulbezirks den vierstimmigen Choral “Lobet den
Herrn” in einem Satz von Gotthelf Gläser zu
Gehör. Pfarrer Burger schloss die Feier mit Gebet, Vaterunser
und Segen.
Der Stadtmagistrat verabschiedete in seiner Sitzung am 20. Februar 1900
die Abrechnung mit den am Bau beteiligten Firmen und
Handwerksbetrieben. Für Hauptgebäude, Turnhalle,
Aborte, Einfriedung, Entwässerung, Höfe und
Plätze, Straßenbau, Beseitigung des Kriegerdenkmals,
Gas- und Wasserleitung und innere Einrichtung wurde ein Gesamtaufwand
von 316.837,58 Mark errechnet.
949 Kinder wurden in 18 Schulzimmern
unterrichtet. Die Klassenräume waren so bemessen, dass sie
“bequem” 70 bis 72 Schülern Platz boten.
Dazu kamen noch 6 Nebenräume, ein Lehrerzimmer, ein
Lehrmittelzimmer und ein Oberlehrerzimmer. Als Schulleiter amtierte von
1899 bis 9. Mai 1921 Oberlehrer Lieb. Oberlehrer waren damals Lehrer,
die “auf einen sicheren und genauen Vollzug der Anordnungen
achteten, die im Interesse der Gebäude, der Beschaffung und
Erhaltung der Unterrichtsgegenstände und des Schulbetriebes
erlassen wurden”. Andere Bezeichnungen lauteten auch
Aufsichtslehrer oder Lehrerobmänner. Im Mai 1897 wurden in Hof
für jedes Schulgebäude ein solcher Funktionsposten
geschaffen. Die Oberlehrer bekamen für ihre Tätigkeit
eine Zulage von 50,-- Mark und wurden vom Stadtmagistrat ernannt. Nach
Fertigstellung und Bezug des Sophienberger Schulhauses zeigten die
Verwaltungen anderer Städte, die sich ebenfalls mit der
Erbauung neuer Schulhäuser befassen mussten, Interesse an dem
neuen Gebäude. So wünschten Beamte des Baureferats
der Stadt Rothenburg/Tauber Einsichtnahme in die Baupläne, der
Magistrat von Bayreuth entsandte eine Kommission, die die neue
Schulanlage besichtigen sollte, da man sich auch dort mit den Gedanken
eines Schulhausneubaus trug, und der Magistrat von Redtwitz
(Marktredtwitz) wurde schriftlich über
Größe und Anzahl der Räume des V. Hofer
Schulhauses informiert.
Bereits am 8. Mai 1900 beklagt Schutzmann
Kirsch das Verhalten der Kinder des V. Schulhauses. Sie
überstiegen die Einfriedung des Kriegerdenkmals
(gegenüber dem Schulgebäude im Sophienberger
Friedhof) und “gingen auf dem Postament desselben
umher”. Stadtschulrat Wißmath forderte deshalb die
Lehrer auf, einzuschreiten und den Unfug schnellstens zu beenden.
Im
Zuge des Ausbaus der örtlichen Seite der
Wörthstraße durch Baumeister Brabek, dem
Eigentümer der dortigen Grundstücke, wurden die
Häuser neu durchnummeriert. Das Schulhaus auf dem Sophienberg
erhielt aus diesem Grund am 10. Oktober 1906 die Hausnummer 21 (vorher
Nr. 15).
2. Vom
Beginn des Ersten Weltkriegs bis zu Hitlers Machtergreifung
Die
relativ ruhige und friedliche Kaiserzeit ging mit dem Ausbruch des
Krieges Anfang August 1914 zu Ende. Die Menschen in der Heimat mussten
sich auf Leid, Not und Entbehrungen einstellen. Auch das Schulwesen
blieb von einschneidenden, für die Jugend negativen Folgen
nicht verschont. So erließ die königliche Regierung
in Bayreuth am 25. August 1914 ein Schreiben an alle Stadtverwaltungen
mit dem Hinweis, dass dort, “wo Schulhäuser auf
längere Zeit für militärische Zwecke,
insbesondere für Lazarette in Verwendung genommen sind, die
abwechselnde Benützung der für Schulzwecke
verfügbaren Schulhäuser durch verschiedene
Volksschulen in Aussicht zu nehmen ist”. In ganz Hof wurden
1914 35 Lehrkräfte zum Kriegsdienst einberufen. Aus dem IV.
Schulbezirk, zu dem nunmehr neben dem Sophienberger Schulhaus noch die
Schulen in Moschendorf und Krötenbruck gehörten,
standen zu Beginn des Krieges die Lehrer Schuberth, Hoffmann und
Köppel im Feld. Die verwaisten Klassen führte jeweils
ein Kollege mit und zwar von 8 – 10 Uhr und von 14
– 15 Uhr die eine Klasse und von 10 – 12 Uhr und
von 15 – 16 Uhr die andere. Nach 14 Tagen wechselte man die
Klassen. Hatten anfangs Heeresführung und Bevölkerung
noch auf einen schnellen Erfolg gehofft, so zeigte sich mit zunehmender
Kriegsdauer, dass die Auseinandersetzungen lang-wierig und verlustreich
wurden. Das stellvertretende Generalkommando des III. Armeekorps
forderte aufgrund der Ersatzlage, dass alle
kriegsverwendungsfähigen Männer für das Heer
verfügbar gemacht werden, auch Lehrer bildeten davon keine
Ausnahme.

Nach
vorbereiteten Plänen wurde in das Sophienberger Schulhaus im
Jahre 1916 ein Lazarett eingerichtet, das zunächst das Rote
Kreuz, später das Militär betrieb. Die
Schülerinnen und Schüler mussten
währenddessen das Schulhaus in der Fabrikvorstadt (die
spätere Pestalozzischule) beziehen. Das brachte
natürlich Einschränkungen und Unbequemlichkeiten mit
sich; denn jede ausgelagerte Klasse hatte 16 Wochenstunden weniger
Unterricht. Der Antrag, den Unterricht für Klassen, die schon
längere Zeit keinen Vollunterricht mehr hatten, zwischen Mai
und Juli um eine Stunde zu vermehren, wurde am 31. März 1917
abgelehnt. Gegen Ende des Krieges wurde die Versorgung der Schulklassen
mit Lehrern immer schwieriger. Man erwartete von den
Schulbehörden, dass sich garnisonsverwendungsfähige
Lehrer in den Schuldienst zurückmeldeten. Die meisten Gesuche
wurden aber 1917 und 1918 vom Militär abgelehnt. Nach
Kriegsende ersuchte Oberlehrer Lieb die Stadtschulkommission, alles zu
tun, damit die Räume des Sophienberger Schulhauses wieder
für den Unterricht benutzt werden können. Der
Magistrat sicherte eine Räumung bis 1. Juli 1919 zu, gab aber
zu bedenken, dass man aufseiten des Militärs
Lazaretträumlichkeiten für die demnächst
zurückerwarteten Kriegsgefangenen in Reserve haben
müsse. Nach der Auflösung des Lazaretts setzte die
Stadtverwaltung das Schulhaus für 53.000,-- Mark instand. Der
Unterrichtsbetrieb wurde am 12. Januar 1920 wieder aufgenommen,
zugleich konnte der seit dem 2. September 1919 als neuer Stadtschulrat
amtierende Christian Wolfrum am 22. Januar 1920 an die Regierung von
Oberfranken berichten, dass das Schulhaus am Sophienberg
künftig Sophienschule heißt.
Bereits zwei Monate
später stand die Sophienschule im Mittelpunkt politischer, ja
kriegerischer Ereignisse, die durch den Kapp-Putsch am 13.
März 1920 ausgelöst worden waren. In Hof erschien ein
Flugblatt mit der Forderung zur Errichtung einer Rätediktatur,
und Max Blumtritt (USPD) verkündete in einer Versammlung vor
der Einsteighalle des alten Bahnhofes den Beginn des Generalstreiks,
die Einsetzung eines Vollzugsrates, die Entwaffnung der Einwohnerwehren
und “Operationen” bewaffneter Arbeiter gegen
Münchberg. Die Regierung von Kahr in München
erließ deshalb für den Raum Hof das Standrecht und
schickte unter Führung des Ministerialrats Nortz als
Staatskommissar und des Regierungsrats Meyer von der Kreisregierung in
Bayreuth zwei Bataillone Reichswehr und die 1. Landfahne Chiemgau der
bayerischen Einwohnerwehren in das nordostoberfränkische
Krisengebiet.
Beim konzentrischen Vormarsch auf Hof am 22.
März 1920 erhielt die Sophienschule vom Wartturmberg aus einen
Artillerietreffer mit einem 7,8 cm Geschoss, das auf dem Fensterbrett
eines Klassenzimmers in Parterre krepierte und den Unterrichtsraum
teilweise zerstörte. Der Kanonenschuss war als Warnung
für die sogenannte Volkswehr gedacht, die sich in der
Turnhalle versammelt hatte. Die Volkswehr wurde aufgelöst,
ihre Gewehre abgeliefert, und am 25. März hatte der letzte
Soldat die Stadt Hof verlassen.
Ärger hatte man in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mit der
Straßenjugend. In den Abendstunden benützte die
Freie Turnerschaft Hof die Turnhalle für
Übungszwecke. Die Jungen stiegen immer wieder auf die
Fensterbrüstungen, um in die Halle zu sehen und
beschädigten dabei das Mauerwerk, drückten
Glasscheiben ein oder rissen die Sturmhaken an den Fenstern ab. Als
Gegenmaßnahmen patrouillierten die Schutzleute
öfter, und der untere Teil der Fenster wurde verdunkelt. Beim
Turnen im Freien bestiegen die Jugendlichen die Umfassungsmauer und die
Bäume und beschimpften die Turnwarte und den Hausmeister mit
“den gemeinsten Worten”. Ab dem Schuljahr 1928/29
bekam die Sophienschule zwei Schulleitungen. Die
Mädchenabteilung stand unter der Verantwortung von Oberlehrer
Heinrich Kant, Chef der Knabenschule wurde Oberlehrer August Horn.
Einzelne gemischte Klassen kamen entweder zur Knabenschule oder wurden
in der Mädchenabteilung mitgeführt. Im Schuljahr
1931/32 bestand die Schule aus 19 Klassen, die von den Lehrern
Alexander Hager, Bernhard Köppel, August Horn, Fritz
Strößenreuther, Andreas Hübner, Heinrich
Raithel, Joseph Vogel, Richard Brodmerkel, Friedrich Hösch,
Friedrich Vogtmann, Fritz Hohenner, Heinrich Kant, Georg Lang, Karl
Knopf, Andreas Pittroff, Frieda Krämer, Marie
Hößl, Anna Kießling und Johann
Thüll unterrichtet wurden.

3. Vom
Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft bis zum Ende des Zweiten
Weltkrieges
Welch
einschneidende Änderungen die Machtergreifung der
Nationalsozialisten mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler
am 30. Januar 1933 mit sich brachte, beweisen nicht nur die
hinlänglich bekannten neuen Gesetze, allen voran das
Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933, sondern auch die
ideologische Schulung und Weiterbildung der Lehrer im NS-Lehrerbund, da
auf diesem Wege, durch die Heranbildung “fanatischer Ideen-
und Willensträger”, eine Veränderung des
Denkens in den breiten Volksmassen am ehesten und schnellsten
möglich schien.
Neben der selbstverständlichen
Angleichung der Lehrpläne an die faschistische Weltanschauung,
waren es vor allem “die nationalen Schul- und
Gedenkfeierlichkeiten”, die als verpflichtende
Veranstaltungen für Lehrer und Schüler das
Gemeinschaftsbewusstsein stärken und fördern sollten.
Eine herausragende Rolle spielten in diesem Zusammenhang die
Rundfunkübertragungen des von den Nationalsozialisten
beherrschten Reichssenders München. In den späteren
Jahren des “Dritten Reiches” war es vor allem die
Hitlerjugend, die eine immer größere Rolle in der
schulischen und außerschulischen Erziehung spielte. Eine
Auswahl der wichtigsten “Gedenk- und Schulfeiern”
soll den Geist dokumentieren, der damals auch an den Volksschulen, wie
z.B. der Sophienschule, herrschte.
- Am 24. April 1934 gedachten die
Schüler “des Erwerbs, der Entwicklung und des
Verlustes unserer Kolonien”. Anlass war die Gründung
deutscher Kolonien 1884 in Südwestafrika, Togo, Kamerun,
Ostafrika, Neuguinea, dem Bismarck-Archipel und auf den
Marshall-Inseln.
- Der 21. März 1934 wurde als
“Großkampftag der Arbeitsschlacht”
propagiert. Gefeiert sollte die Arbeitsbeschaffung werden. Der
Schulleiter ließ die Schülerinnen und
Schüler in der Turnhalle versammeln, wies in einer Ansprache
auf den Sinn des Tages hin und schilderte die volkswirtschaftliche
Bedeutung “der Arbeitsschlacht”. Im Anschluss daran
hörte man gemeinsam die Übertragung des
“Arbeitsschlacht-Programms” aus München im
Rundfunk an.
- Die Schulfeier zum 1. Mai gestalteten die Lehrer
beziehungsweise der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB). Die
Schuljugend stand pünktlich um 9 Uhr auf dem Platz, auf dem am
Nachmittag die allgemeine Kundgebung vorgesehen war.
Die Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler ab dem
11. Lebensjahr war Pflicht. Gesungen wurden das Deutschlandlied und das
Horst-Wessel-Lied. An Orten mit verschiedenen Schulgattungen
wählte der Obmann des NSLB einen Redner aus, soweit ihn nicht
der politische Leiter der NSDAP bestimmte.
- Anlässlich des 175.
Geburtstages Friedrich von Schillers am 10. November 1934 fand bereits
am 9. November 1934 eine Gedenkstunde statt, die der Sender
München als Reichssendung ausstrahlte und von allen Schulen
angehört werden musste. Dagegen wurde eine vom Bayerischen
Volksbildungsverband veranstaltete Hermann-Löns-Feier im
Oktober 1934 dem Besuch der oberen Klassen der Volksschulen nur
empfohlen.
- Die “Woche des Deutschen Buches” vom 4.
bis 11. November 1934 hatte den Zweck, in den Oberklassen der
Volksschulen im Sinne des Regimes auf die kulturelle Bedeutung
wertvollen Schrifttums hinzuweisen. Die Lehrkräfte
organisierten in diesem Rahmen örtliche Feiern, Vortragsabende
und Buchausstellungen.
- Der Rückkehr des Saarlandes wurde am 1. März 1935 um
9 Uhr in einer kurzen würdigen Feier in allen Schulen gedacht.
Der übrige Unterricht fiel an jenem Tage aus.
- Die Gedenkfeier
für die Toten des Weltkrieges hatte alljährlich am
Montag nach Reminiszere stattzufinden.
- Auch die Einführung der
allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 musste in allen
Schulen feierlich bekannt gegeben werden.
- Am 23 September 1935 war in
einer Feierstunde des “Tages des deutschen
Volkstums” zu gedenken.
- Die am 2. Oktober 1935 stattgefundene
Überführung des verstorbenen
Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in die Gruft des
Tannenberg-Denkmals gab Anlass, während des Unterrichts in
geeigneter Weise des Verewigten zu gedenken und die
Rundfunkübertragung der Trauerfeier gemeinsam
anzuhören.
- Die überragende Bedeutung des
“Gründungstages des 3. Reiches“ am 30.
Januar hatten die Schulleiter 1936 in einer würdigen Feier
hervorzuheben. Die Hitler-Jugend umrahmte diese Feier mit Liedern und
Sprechchören.
- Als am 6. März 1936 der
tödlich verunglückte Kultusminister Hans Schemm zu
Grabe getragen wurde, war allen Lehrern und Schülern
Gelegenheit zu geben, die Übertragung der Trauerfeierlichkeit
im Rundfunk zu hören.
- Selbstverständlich hatten an
Hitlers Geburtstag, dem 20. April, alle Schüler
unterrichtsfrei, aber nicht schulfrei. Sie mussten an
“würdigen Feiern” teilnehmen und der
örtlichen Parade der Wehrmacht beiwohnen.
- 1938 war die
politische Führung des Reiches am “Tag der
Machtübernahme” durch die NSDAP, dem 30. Januar, mit
einer “würdigen” Gedenkstunde am letzten
Unterrichtstag vor dem 30.1. zufrieden.
Nachdem Hitler den Zweiten
Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, erlitt die Sophienschule das
gleiche Schicksal wie 23 Jahre vorher im ersten großen Krieg,
sie wurde Lazarett. Die Kinder, die bisher das Schulhaus an der
Wörthstraße besucht hatten, wurden auf die
Schillerschule und die Pestalozzischule verteilt.
Am 16. Februar 1944, als sich die Niederlage der Hitler-Wehrmacht
bereits abzeichnete, reichte das Heeresbauamt Bayreuth Pläne
für einen Luftschutz-Deckungsgraben ein, der das Schulhaus
über den Knaben-Schulhof mit der Turnhalle verbinden und mit
der Schulhofoberfläche bündig abschließen
sollte. Zweck dieses Unternehmens war es, Verwundete bei eventuellen
Luftangriffen aus der Turnhalle sicher in die zwei
Luftschutzräume im Keller der Knabenschule zu bringen. Nachdem
das Projekt von allen amtlichen Stellen grünes Licht erhalten
hatte, wurde es zügig gebaut und im Herbst 1944 fertiggestellt.
4. Vom
Zusammenbruch 1945 bis zum Jubiläumsjahr 1999
Seitdem
die Sophienschule Mitte des Krieges in ein Reservelazarett umgewandelt
worden war, mussten die Schulkinder in der Schillerschule den
Unterricht besuchen. Der Zusammenbruch des 3. Reiches, die Flucht von
Millionen von Deutschen aus ihrer ostdeutschen Heimat, die
Bombenangriffe der Amerikaner auf Hof im Februar und Anfang April und
schließlich die Einnahme der Stadt durch amerikanische
Truppen am 15. April 1945 stellten die neue provisorische
Stadtverwaltung unter dem Oberbürgermeister Dr. Weinauer,
später unter seinen Nachfolgern Hans Bechert und Dr.
Schröter, vor schier unlösbare Probleme.
Für
7.000 Schüler standen nur 15 Lehrer als Nichtnazis zur
Verfügung, 90 durften wegen ihrer Zugehörigkeit zur
NSDAP den Dienst nicht aufnehmen, der Rest befand sich noch in
Gefangenschaft oder war im Krieg gefallen. Zur Aufrechterhaltung eines
minimalen Schulbetriebes wurden 18 pädagogische
Hilfskräfte eingestellt, die man in Kurzlehrgängen
auf ihre Aufgaben vorbereitete. Die Schulhäuser dienten 1945
Flüchtlingen und Fremdarbeitern als Unterkunft oder dienten,
wie die Sophienschule, als Lazarett.
Als Ende 1945 die Pestalozzischule
von Flüchtlingen geräumt war und 1946 die
Schillerschule für den Unterrichtsbetrieb wieder zur
Verfügung stand, hatte auch das unwürdige
Zwischenspiel der Unterrichtserteilung in Gasthäusern und
Vereinssälen ein Ende. Die Schülerinnen und
Schüler des zur Sophienschule gehörigen Sprengels
besuchten nunmehr entweder die Pesta-lozzischule oder die
Schillerschule. Das Gebäude der Sophienschule stand mit allen
seinen Räumen der Berufsschule zur Verfügung, nachdem
das Hilfskrankenhaus schon bald nach 1945 aufgelöst worden
war.
Angesichts steigender Einwohnerzahlen (1945: 55.405; 1950: 61.033)
und demzufolge auch zunehmender Schülerzahlen reichte die
Kapazität des Schulgebäudes nicht mehr aus, um alle
Berufsschulpflichtigen zu unterrichten. Der Stadtrat entschloss sich
daher am 12. August 1948 zur Aufstellung einer zerlegbaren ehemaligen
Krankenbaracke entlang der hinteren Hofmauer zwischen Turnhalle und
Schulhaus. Dadurch hatte man zwei zusätzliche
Unterrichtsräume mit jeweils 81,4 qm Grundfläche
gewonnen. Dieses Provisorium wurde am 7. September 1948 fertiggestellt
und 1950, nach Auszug der Berufsschule, wieder abgebaut.
Seit 1950
dient die Sophienschule der Unterrichtung von Volksschülern.
1953 bestand bereits die Möglichkeit für
Schulabgänger, die keine Lehrstelle erhalten hatten, eine 9.
Klasse einzurichten. Der Besuch war freiwillig und endete mit einem
Entlassungszeugnis.
Die Oberfränkische Volkszeitung vom 4.
Februar 1956 brachte unter der Überschrift
“Kühlschrank Sophienschule” einen Artikel,
in dem angeprangert wurde, dass die Kinder mit Anoraks und
Mänteln bekleidet, dem Unterricht in den Klassenzimmern bei
10ºC folgen müssten. Die Heizung funktionierte; der
Grund für die mangelhafte Erwärmung der
Räume lag im Versäumnis des Hausmeisters, die
Vorfenster rechtzeitig anzubringen. Stadtschulrat Beisbart war
darüber erbost, machte die beiden Rektoren und die
Schulpflegschaft für den Missstand verantwortlich und betonte,
er könne nicht persönlich das Anbringen der
Vorfenster an allen Hofer Schulen kontrollieren.
Im Jahre 1956 ging der
Ausbau des Werkraumes im Keller seiner Vollendung entgegen. Damit war
die Voraussetzung für die Erteilung eines modernen
Werkunterrichts gegeben. Ein Jahr später, 1957, fanden in der
Turnhalle 14 Tage lang die Röntgenuntersuchungen der
Bevölkerung statt. Größere bauliche
Veränderungen wurden ab dem 6. Oktober 1965 am Schulhaus
vorgenommen, die das Aussehen des Jugendstilgebäudes erheblich
beeinträchtigten. So entfernte man die teilweise verwitterten
Dachplastiken, baute neue Fenster ein und riss die nicht mehr den
hygienischen Anforderungen entsprechenden Trockenabortanlagen an der
Rückseite der Schule ab. Die Stadtverwaltung errichtete
dafür an der Nordseite (Eingang zur Mädchenschule)
einen modernen Anbau, der im Untergeschoss einen Vorratsraum, das
Fotolabor und die Milchausgabe, im Erdgeschoss, 2. und 3. Stock die
WC-Anlagen enthält. Der Übergabetermin war der 3.
September 1967.
Am
7. März 1967 erteilte das Stadtbauamt die Genehmigung zum
Aufstellen einer doppelten Stahlbeton-Fertiggarage des
Schwingbetonwerks “Frawi”, Nürnberg, im
Schulhof. Die Bauarbeiten hierfür waren am 23. Mai 1967
abgeschlossen.
Das Schuljahr 1969/70 brachte, wie allen Hofer
Volksschulen, grundlegende organisatorische Neuerungen. Die
Sophienschule wurde Grund- und Teilhauptschule I und gab ihre 7. und 8.
Klassen, je nach Wohnung der Eltern, an die Münsterschule,
Christian-Wolfrum-Schule oder Hofecker Schule ab. Gleichzeitig legte
man die Knaben- und die Mädchenschule unter der Leitung von
Rektorin Metzger zu einer Schule zusammen und erreichte kurzzeitig
einen Schülerstand von knapp 700 Kindern. Angesichts dieser
hohen Schülerzahl wollte man 1972 der drohenden Schulraumnot
durch den Teilausbau des Dachraumes begegnen. Die technisch
geprüften und genehmigten Pläne sahen in der
Nordhälfte ein Klassenzimmer, einen Lehrmittelraum, einen
Film- und Lichtbildraum und ein Stück Flur vor. Angesichts
sinkender Schülerzahlen lehnte man 1975 die
Ausführung des Projektes ab.
Im Jahre 1975 konnte
Oberbürgermeister Dr. Heun die seit langem von Lehrern,
Schülern und Elternschaft geforderte Sportanlage hinter dem
Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben.
Künftig brauchten also Lehrer und Schulkinder nicht mehr den
langen und gefährlichen Weg zum Sportplatz an der Ossecker
Straße zurücklegen, wenn Sport auf dem Stundenplan
stand. Mit einem Gesamtaufwand von 195.539,-- DM errichtete die Stadt
einen Allwetterplatz mit Handball- und Volleyballfeldern, einem
Tennisfeld, einer 75 m-Bahn, einer Hochsprunganlage, einer
Weitsprunggrube mit zwei Anlaufbahnen und einer
Kugelstoßanlage.
Die seit 1978 von Schulleitung,
Sicherheitsbeauftragten und Elternbeirat immer wieder gemachten
Eingaben, Mängelberichte und Bitten, den baulichen Zustand der
Turnhalle betreffend, führten 1984 endlich zum Erfolg. Mit
einem Kostenaufwand von 1,2 Millionen DM sanierte die Stadt Hof das
marode gewordene Gebäude, stattete es mit einem modernen
Schwingboden, einer Schallschluckdecke und bruchsicheren Fenstern aus,
erneuerte das Dach und baute übersichtliche
Umkleideräume und hygienische Toiletten ein. In Anwesenheit
von Oberbürgermeister Dr. Heun, dem Sportreferenten Peter
Haubner, Vertretern des Stadtrates, der Eltern, der Lehrer und der
Schüler wurde am 11. Dezember 1984 im Rahmen einer kleinen
Feier die sanierte Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben.
Als
sich am 9. November 1989 die Grenze zur DDR öffnete, begann
eine neue Epoche deutscher Geschichte. Zehntausende Landsleute aus dem
benachbarten Thüringen und Sachsen strömten in unsere
Stadt, um einzukaufen, zu schauen, Kontakte zu knüpfen,
Gespräche zu führen und das sog.
“Begrüßungsgeld” in Empfang zu
nehmen. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren angesichts
dieses Ansturms nicht in der Lage, alle Fahrgäste
planmäßig zu befördern. Für
Menschen, die nicht recht-zeitig in ihren Heimatort
zurückkehren konnten, schuf die Stadtverwaltung Notquartiere
in Schulen, Gemeindesälen und Turnhallen. In der ersten
Dezemberwoche diente auch die Turnhalle der Sophienschule als
behelfsmäßige Bleibe für Gäste aus
der noch bestehenden DDR.
In diese Zeit fiel auch die Besiegelung der
Partnerschaft mit der Erich-Weinert-Oberschule in Jocketa bei Plauen.
Erste Kontakte waren schon kurz nach der Wende von einem Lehrerehepaar
aus der DDR geknüpft worden. Die beiden Schulleiter, Rektor
Roland Wolfrum und Direktor Heinz Zeuner, bereiteten ein erstes Treffen
beider Kollegien vor, das am 10. Februar 1990 in Plauen und Jocketa
stattfand. Ein zweites Treffen im März desselben Jahres
führte die etwa 60 Lehrerinnen und Lehrer nach Hof und ins
Fichtelgebirge auf den Waldstein. Ein gemeinsamer Wandertag der 6.
Klassen und die Teilnahme am Schulfest der Sophienschule vertieften die
neue Partnerschaft.
In den Jahren 1987 bis etwa 1991 war die private Berufsfachschule
für Diätetik unter der Leitung von
Oberstudiendirektor a.D. Zandering in der Sophienschule als Untermieter
zu Gast. Der Einrichtung zur Ausbildung von Diätassistentinnen
stand ein kleinerer Raum als Büro, die Küche und ein
Klassenzimmer für den Unterricht zur Verfügung.
Der
bauliche Zustand des Schulhauses verlangte nach einer
gründlichen Sanierung. Um die dafür notwendigen
Zuschüsse zu erhalten, beschloss der Bauausschuss des
Stadtrates im Juni 1996 die Aufnahme des Gebäudes in die Liste
des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.
Im Juli 1996 bemühten sich auf Initiative von Kollegin
Queitsch hin alle Klassen, die Gänge auf den einzelnen
Stockwerken mit bunten Blumen, Bäumen und exotischen
Landschaften fröhlich zu gestalten. Unterstützt wurde
diese Aktion vom Elternbeirat und von Firmen, die Pinsel und Farben
spendierten. Doch die Sanierung der Sophienschule genoss weiterhin
höchste Priorität. Zeitungsartikel und Fotos wiesen
ab 1996 immer wieder auf die Dringlichkeit dieses Problems hin. Vor
einer Teilinstandsetzung, etwa des undichten Daches, scheuten die
Verantwortlichen zurück, weil sie dann,
gemäß staatlicher Förderkriterien, die
Generalsanierung gefährdet hätten. Im Rahmen einer
Zusammenkunft Anfang März 1998 im Konrektorat der Schule, bei
der neben Oberbürgermeister Döhla und Rektor Wolfrum,
auch Damen und Herren des Elternbeirats anwesend waren,
überreichte der Elternbeiratsvorsitzende Robert Roth dem
Stadtoberhaupt 1.003 Unterschriften, die den sofortigen Beginn der
Schulhaussanierung forderten. Der Oberbürgermeister machte die
für alle erfreuliche Mitteilung: “Heuer wird noch
mit der Sanierung begonnen”. Er erläuterte dann die
Planung der Arbeiten, demnach sollte die Generalsanierung in drei
Bauabschnitten vollzogen werden, bis Ende 2000 abgeschlossen sein und
voraussichtlich 7,48 Millionen DM kosten. 74 % der Gesamtsumme seien
förderfähig und werden mit 42 % bezuschusst.

Im Herbst 1998 begannen die Arbeiten mit der Umgestaltung des
Kellergeschosses, werden gegenwärtig mit der Modernisierung
und Erneuerung des Anbaues und der Versorgungsleitungen fortgesetzt und
voraussichtlich 2000 oder 2001 abgeschlossen sein.
| Die
Schulleiter der Sophienschule |
| |
| Volksschule: |
| Oberlehrer
Lieb |
| 1899 -
1921 |
| |
| Oberlehrer
Mertel |
| 1921 -
1927 |
| |
| Knabenschule: |
Mädchenschule: |
| Oberlehrer August Horn |
Oberlehrer Heinrich Kant |
| 1928 - 1934 |
1928 - 1932 |
| |
|
| keine Angabe |
Oberlehrer Karl Knopf |
| 1934 - 1945 |
1933 - 1934 |
| |
|
| |
Oberlehrer Heinrich Raithel |
| |
1934 - 1945 |
| |
|
| Oberlehrer
Joseph Vogel |
| stellvertretender
Schulleiter |
| 1946 -
1948 |
| |
| Rektor Karl Frisch |
Rektor Jospeh Vogel |
| 1949 - 1955 |
1949 - 1957 |
| |
|
| Rektor Trukenbrod |
Rektor Christian
Kießling |
| 1956 - 1960 |
1958 - 1961 |
| |
|
| Rektor Hans Jäger |
Rektorin Berta Dienstbier |
| 1961 - 1965 |
1962 - 1967 |
| |
|
| Rektor Hellmuth Gilischewsky |
Rektorin Edeltraud Metzger |
| 1966 - 1969 |
1968 - 1969 |
| |
|
| Grund-
und Teilhauptschule I |
| Rektorin
Edeltraud Metzger |
| 1969 -
1978 |
| |
| Rektor
Otto Frank |
| 1979 -
1982 |
| |
| Rektor
Roland Wolfrum |
| 1982 - 2004 |
| |
| Rektorin
Christa Schultz |
| 2004 -
2006 |
| |
| Konrektor
Henrik Schödel |
| 2006 -
2007 |
| Rektor Henrik Schödel |
| ab 2007 |
| |
| |
|
Quellen:
Stadtarchiv Hof
Repertorium der reponierten Registratur des Stadtrates Hof,Titel D
I. Band
Fach 48, Nr. 34, 87, 232, 233, 234, 246, 260, 304
Fach 51, Nr. 53, 88
Fach 53, Nr. 6
Fach 54, Nr. 9,10
IV. Band Fach 261, Nr. l, 2, 3
Baupolizei-Acten des Stadtmagistrats Hof, Straße: Wörthstr. 21 Bandl
Zeitungen:
Oberfränkische Volkszeitung: 04. Februar 1956
Hofer Anzeiger:
28. Mai 1897
21.Juni 1897
26. September 1899
27. September 1899
21. März 1920
23. März 1920
05. November 1975
23. Februar 1990
10. Juni 1996
04. Juli 1996;
19. März 1998
Sonstige handschriftliche Quellen:
Protokollbücher "Lehrerrat der Sophienschule"
Notizbuch der 3. Knabenklasse des IV. Schulbezirks
Schulchronik der Sophienschule