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Vom Bau der Schule bis zum Ersten Weltkrieg

Im Jahre 1894 waren die Schülerzahlen im 4. Schulbezirk so stark angestiegen, dass die Räume im 1876 fertig gestellten 3. Schulhaus am Wilhelmsplatz, der späteren Pestalozzischule, zu klein waren. Lehrer Schwab beantragte deshalb in einem Schreiben an die königliche Bezirksschulinspektion vom 18.10.1894 die Errichtung einer weiteren 5. Knabenklasse und begründete die Eingabe damit, dass in dem bisher zur Verfügung stehenden Raum für 81 Schüler “das Schreiben in Hefte beinahe, das Zeichnen ganz unmöglich” sei. 

Der Magistrat und das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten der Stadt Hof stimmten in ihren Sitzungen am 19. und März 1895 “der Errichtung einer 5. Knabenklasse im 4. Schulbezirk und der damit verbundenen Turnabteilung” zu. Die königliche Regierung in Bayreuth, Kammer des Inneren, genehmigte das Vorhaben am 19. April 1895.

Aber bereits am 9. April 1896 richtete Pfarrverweser Scheiding eine Eingabe an den Magistrat, in der er auf dringende bauliche Mängel hinweist und notwendige hygienische Verbesserungen im Klassenzimmer fordert. In Beantwortung dieser Eingabe Scheidings schlug der städtische Baurat Thomas zum ersten Mal die Errichtung eines neuen Schulhauses im schottschen Garten für rund 200.000 Mark vor. Bürgermeister Mann stellte den Antrag bis zur Klärung der Grundstücksfrage zurück. Inzwischen war die Schulraumnot immer prekärer geworden.

Die Bevölkerung Hofs hatte zwischen 1890 und 1900, hervorgerufen durch die starke Belebung der Textilindustrie (1899: 200.000 Spindeln; 1894: 25.000 Zwirnspindeln; 1899: doppelt so viele Webstühle wie 1884), um 8.326 Einwohner zugenommen. Eine Übersicht, die der seit Anfang 1897 amtierende Stadtschulrat Wißmath im Auftrage des Magistrats erstellte und am 16. März 1897 dem Gremium als Entscheidungshilfe vorlegte, verdeutlicht die schulische Situation: 

Hof hatte zu diesem Zeitpunkt 3.782 Schüler in 55 Klassen, was einer Durchschnittszahl von knapp 69 Kindern pro Klasse entsprach. Sechs Klassen umfassten eine Schülerzahl von 80 – 99 Knaben und Mädchen. Zum Vergleich: In Bamberg saßen rund 59 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, in Bayreuth betrug der Klassendurchschnitt ca. 61 Kinder. 

Da durch die neuen Fabriken in Hof eine erhebliche Zunahme der Schülerzahl zu erwarten war (allein 1896 180 Schulkinder mehr), entschied der Stadtmagistrat am 16. März 1897, ein neues Schulhaus zu bauen. 130.000 Mark sollten zur Finanzierung aus der Schuldentilgungskasse entnommen werden. Schulrat Wißmath wurde beauftragt, nach den Wohnungen der Schulkinder eine provisorische Einteilung der Schulbezirke vorzunehmen. Auf der Grundlage dieser Neugliederung sollte dann der Bauplatz für das neue Schulhaus festgelegt werden. 

Schulrat Wißmath berichtete kurze Zeit später dem Stadtmagistrat über “Frequenzverhältnisse der deutschen Schulen, Überfüllung der Klassen, die Notwendigkeit eines Schulhausbaus und eine neue Schulbezirkseinteilung”. Für das zu bauende “Schulhaus am Sophienberger Kirchhof” sah Wißmaths Plan 949 Schüler in 20 Klassen vor. 

Der neue IV. Schulbezirk umfasste folgende Straßen: Alsenberger Weg, Alter Torweg, Bachstraße, Bahnhofstraße, Bahnhofsplatz, Bayreuther Straße, Bergstraße, Biengäßchen, untere Bismarckstraße, untere Friedrichstraße, Königstraße, Liebigstraße, Lorenzgäßchen, untere Lorenzstraße, untere Marienstraße, Mühlstraße, Mühlwinkel, Münsterstraße, Neuer Bahnhof, Pfarr, Rinnlein, Sedanstraße, Sophienberg, von-der-Tann-Straße, Wilhelmsplatz, untere Wilhelmstraße, Wittelsbacher Platz, Wörthstraße, Wunsiedler Straße. 

Der Magistrat genehmigte am 4. Mai 1897 den Kauf des vormals schottschen Gartengrundstücks auf dem Sophienberg von dem damaligen Eigentümer Baumeister Wilhelm Laubmann zum Preis von 23.000 Mark. Die Gemeindebevollmächtigten stimmten am 10. Mai 1897 dem Magistratsbeschluss, den Kauf des Schulhausgrundstücks betreffend, zu. Der Vertrag über den Kauf des Grundstücks auf dem Sophienberg (Plannummer 1957 1/9) in der Größe von 0,257 ha zu 23.000 Mark wurde am 11. Mai 1897 zwischen der Stadt, vertreten durch Rechtsrat Eduard Tremel, und Baumeister Wilhelm Laubmann abgeschlossen.

In der Folgezeit bildete sich eine Kommission für den Schulhausbau, bestehend aus Bürgermeister Mann, Stadtbaurat Thomas, Schulrat Wißmath, den Magistratsräten Hendel, Rahm, Rammensee sowie den Gemeindebevollmächtigten Brecheis, Klotz, Rödel, Wellhöfer und dem Revisor Fischer als Protokollführer, die in ihrer ersten Sitzung am 25. Oktober 1897 feststellte, dass das neue Schulhaus “inmitten eines sich neu bildenden Stadtteiles in ruhiger Lage” liegen werde. Das Gebäude sollte Zentralheizung, Konferenzzimmer, Lehrmittelzimmer, eine ausreichende Zahl Klassenräume, Unterbringungsmöglichkeiten für Garderobe und eine Schulküche enthalten.

Um endgültige Beschlüsse fassen zu können, besichtigten die Mitglieder der Baukommission am 4. November 1897 die erst vor kurzem errichtete 6. Bürgerschule an der Reißiger Straße in Plauen. Die dabei gewonnenen neuen Eindrücke und Erkenntnisse flossen in die Bauplanungen ein. Das Gebäude sollte in “Rohbau”, d. h. mit roten und lederfarbenen Verblendsteinen, der Sockel in Granit und die Gesimse in Sandstein ausgeführt werden. Das vor dem Bauplatz stehende Kriegerdenkmal musste versetzt und gegenüber im Sophienberger Friedhof, dem späteren Wittelsbacher Park, neu aufgestellt werden. 

Ende 1897 begann die Projektierung: Baurat Thomas lieferte den ersten Entwurf, Ingenieur Mollweide, der den Bau leitete, und Bauführer Hopf arbeiteten die Pläne aus. Der Bezirksarzt Dr. Tuppert erhob in seinem Gutachten vom 27. Januar 1898 keine Bedenken und Einwände gegen die Planungen. Auch die Finanzierung war durch die Aufnahme einer Restanleihe von 100.000 Mark, die nach einem detaillierten Verzinsungs- und Tilgungsplan im Jahre 1961(!) zurückgezahlt sein sollte, gesichert. Aber die königliche Regierung von Oberfranken, Kammer des Inneren, erhob in einer Stellungnahme zu den eingereichten Plänen grundsätzliche Einwände.

So monierte die Aufsichtsbehörde die mangelnde “architektonische Durchbildung” des Gebäudes. Sie sei zu nüchtern und entspreche nicht den Anforderungen des modernen Städtebaus. Als positives Beispiel wurden Bauzeichnungen eines Spitals und eines Schulhauses in München beigelegt. Da die projektierte Anlage an dem viel begangenen Weg vom Bahnhof zur Stadt zu stehen komme und die Stadt ohnehin arm an architektonisch oder historisch interessanten Objekten sei, sollte der neue gemeindliche Bau in gefälliger Ausführung erstellt werden. Eine Ideenskizze des Kreisbaureferates wurde beigelegt. Da die Beanstandungen der königlichen Regierung eine völlige Änderung des Projektes notwendig machten, war an einen baldigen Beginn des Baus nicht zu denken. 

Das Stadtbauamt arbeitete nun auf der Grundlage der aufsichtsbehördlichen Anregungen einen neuen Fassadenplan aus, vermied kostspielige und luxuriöse Besonderheiten und änderte den Kostenvoranschlag, der jetzt einen Mehrbetrag von 1.700 Mark vorsah. Im Jahr 1898 konnten aus den genannten Gründen nur die Erdarbeiten ausgeführt und der Rohbau errichtet werden. Der Stadtmagistrat war einverstanden, dass anstelle eines gedeckten Ganges zwischen Schulhaus und Turnhalle aus Sauberkeitsgründen ein Weg aus Klinkerplättchen gelegt werden sollte.

Auch Hausflur und Korridore in allen Stockwerken sollten nicht mehr, wie ursprünglich geplant, in Beton, sondern mit gerieften Plättchen ausgeführt werden. Das Baureferat der königlichen Regierung in Bayreuth genehmigte in seinem Antwortschreiben an den Magistrat der Stadt Hof vom 10. Juli 1898 die revidierten Pläne, und der Regierungspräsident, als Chef der Aufsichtsbehörde, gab grünes Licht für die von Schulrat Wißmath beantragte Neueinteilung der Hofer Schulbezirke.

1899 vor der Fertigstellung

1899 vor Fertigstellung

Angesichts dieser zeitlichen Verzögerungen konnte die Stadt den "Baubetriebsplan", nachdem die Arbeiten am 12. April 1898 begonnen werden und am 15. August 1899 abgeschlossen sein sollten, nicht mehr einhalten. Ende Juli 1898 erfolgte in Anwesenheit der Kommission für das Gemeinde- und Stiftungsbauwesen die Absteckung des Schulgrundstückes und der Gebäude.

Unter der Leitung von Ingenieur Mollweide beaufsichtigten in der ersten Hälfte der Bauzeit Bauführer Berthold Hopf und in der zweiten Hälfte Bauführer Paul den Fortgang der Arbeiten. Den Baumeistern Johann Martin Brecheis und Peter Funk wurden die Maurerarbeiten übertragen. Die Zimmererarbeiten vergab der Magistrat an H. Christian Peters. Die Dachdeckerarbeiten führte die Firma Heinrich Degel aus. Mit den Flaschnerarbeiten beauftragte man K. Hübschmann, mit den Schlos-serarbeiten die Betriebe Stöckel und Sommer. Die Herren Stöhr, Pößnecker, Karl, Herpich und Bader waren für die Tischlerarbeiten zuständig, Wilhelm Rasp verglaste die Fenster und die Firmen Krisack und Schiefelbein bekamen die Malerarbeiten übertragen.

Die Parkettböden lieferten die Passauer und Bamberger Parkettfabriken. Zu einem weiteren Fußboden kamen Platten aus der “Deutschen Xylolith (Holzstein)-Fabrik” in Potschappel-Dresden. Von der Firma Kaufmann in Berneck stammten die Sandsteine. Das Rehauer Granitsteingeschäft Georg Heinritz lieferte die Syenitsteine, die Korridorplatten beschaffte die Firma Lindner in Fichtelberg. Die Turmuhr baute der Hofer Hans Leykauf ein, die Dampfniederdruckheizung die Nürnberger Firma Meyer und Junge. Mit physikalischen Geräten stattete Herr Heß (Hof) die Schule aus. Die übrigen Lehrmittel kaufte die Stadt Hof in Leipzig und München. 


Geringere Verzögerungen stellten sich durch Meinungsverschiedenheiten zwischen den bauausführenden Firmen, in Sonderheit Herrn Baumeister Funk, und der Bauaufsicht (Herr Hopf) ein. Trotz aller Bemühungen, das Schulgebäude termingerecht zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 fertigzustellen, mussten Bürgermeister Mann und Schulrat Wißmath bei der Regierung in Bayreuth, in dem Schreiben vom 12. September 1899, um einen späteren Beginn des Schuljahres nachsuchen. Die Genehmigung hierfür wurde am 16. September erteilt. Die Einladungen gingen am 15. September 1899 an den Stadtmagistrat (1 Bürgermeister und 16 Magistratsräte), das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten (36 Personen), die Stadtschulkommission (5 Pfarrer, 5 Magistratsräte, 5 Oberlehrer als Schulleiter der 5 deutschen Schulen, 1 Verwalter der Pfandleihanstalt(!)), Baumeister Brecheis und Funk sowie den Medizinalrat Dr. Tuppert.

Der Leiter der neuen Schule am Sophienberg, Oberlehrer Lieb, bekam von der Stadtschulkommission die Anweisung am Tag der Eröffnung des Schulhauses und des gleichzeitigen Schuljahresanfangs, dem 25. September 1899, dafür Sorge zu tragen, dass sich um 8.00 Uhr alle Schülerinnen und Schüler des IV. Schulbezirkes in ihren Klassenzimmern einfinden. Gleichzeitig sollten alle schulpflichtig werdenden Kinder des genannten Bezirkes unter Vorlage des Impfscheines angemeldet werden.

In Anwesenheit der Mitglieder der städtischen Kollegien, des Bürgermeisters Hofrat Mann, der Pfarrer Burger und Buchholz, des Schulrats Wißmath, der Lehrerabordnungen aus den übrigen Hofer Schulen, des Schulleiters Lieb und der Lehrer, Schülerinnen und Schüler der neuen Schule wurde am Montag, dem 25. September 1899, um 10 Uhr das Gebäude im Rahmen einer würdigen Feier seiner Bestimmung übergeben. Der Choral “Jehova”, gesungen von sämtlichen Schülerinnen und Schülern der Oberklassen unter der Leitung von Lehrer Krämer und auf dem Harmonium begleitet von Oberlehrer Lieb, eröffnete die Feier in der Turnhalle. Es folgte ein Prolog, gesprochen von der Schülerin Hilpert der 7. Mädchenklasse. Den Höhepunkt bildete die Rede des Bürgermeisters Mann, an deren Ende er die Schule ihrer Bestimmung übergab. Im Anschluss daran sang die Festversammlung die Königshymne. Dann ergriff Schulrat Wißmath das Wort und richtete vor allem an die Lehrer die Rückert-Verse:

“Die Zukunft habt ihr, ihr habt das Vaterland.
Ihr habt der Jugend Herz, Erzieher, in der Hand!
Was ihr dem lockern Grund einpflanzt,
wird Wurzeln schlagen;
was ihr dem Zweig einimpft, wird Früchte tragen.
Bedenkt, dass sie zum Heil der Welt das werden sollen,
was wir geworden nicht und haben werden wollen.”

Nach beiden Reden brachten Knaben, Mädchen und die Lehrerschaft des IV. Schulbezirks den vierstimmigen Choral “Lobet den Herrn” in einem Satz von Gotthelf Gläser zu Gehör. Pfarrer Burger schloss die Feier mit Gebet, Vaterunser und Segen.

Der Stadtmagistrat verabschiedete in seiner Sitzung am 20. Februar 1900 die Abrechnung mit den am Bau beteiligten Firmen und Handwerksbetrieben. Für Hauptgebäude, Turnhalle, Aborte, Einfriedung, Entwässerung, Höfe und Plätze, Straßenbau, Beseitigung des Kriegerdenkmals, Gas- und Wasserleitung und innere Einrichtung wurde ein Gesamtaufwand von 316.837,58 Mark errechnet. 

949 Kinder wurden in 18 Schulzimmern unterrichtet. Die Klassenräume waren so bemessen, dass sie “bequem” 70 bis 72 Schülern Platz boten. Dazu kamen noch 6 Nebenräume, ein Lehrerzimmer, ein Lehrmittelzimmer und ein Oberlehrerzimmer. Als Schulleiter amtierte von 1899 bis 9. Mai 1921 Oberlehrer Lieb. Oberlehrer waren damals Lehrer, die “auf einen sicheren und genauen Vollzug der Anordnungen achteten, die im Interesse der Gebäude, der Beschaffung und Erhaltung der Unterrichtsgegenstände und des Schulbetriebes erlassen wurden”. Andere Bezeichnungen lauteten auch Aufsichtslehrer oder Lehrerobmänner.

Im Mai 1897 wurden in Hof für jedes Schulgebäude ein solcher Funktionsposten geschaffen. Die Oberlehrer bekamen für ihre Tätigkeit eine Zulage von 50,-- Mark und wurden vom Stadtmagistrat ernannt. Nach Fertigstellung und Bezug des Sophienberger Schulhauses zeigten die Verwaltungen anderer Städte, die sich ebenfalls mit der Erbauung neuer Schulhäuser befassen mussten, Interesse an dem neuen Gebäude. So wünschten Beamte des Baureferats der Stadt Rothenburg/Tauber Einsichtnahme in die Baupläne, der Magistrat von Bayreuth entsandte eine Kommission, die die neue Schulanlage besichtigen sollte, da man sich auch dort mit den Gedanken eines Schulhausneubaus trug, und der Magistrat von Redtwitz (Marktredtwitz) wurde schriftlich über Größe und Anzahl der Räume des V. Hofer Schulhauses informiert.


Bereits am 8. Mai 1900 beklagt Schutzmann Kirsch das Verhalten der Kinder des V. Schulhauses. Sie überstiegen die Einfriedung des Kriegerdenkmals (gegenüber dem Schulgebäude im Sophienberger Friedhof) und “gingen auf dem Postament desselben umher”. Stadtschulrat Wißmath forderte deshalb die Lehrer auf, einzuschreiten und den Unfug schnellstens zu beenden. 

Im Zuge des Ausbaus der örtlichen Seite der Wörthstraße durch Baumeister Brabek, dem Eigentümer der dortigen Grundstücke, wurden die Häuser neu durchnummeriert. Das Schulhaus auf dem Sophienberg erhielt aus diesem Grund am 10. Oktober 1906 die Hausnummer 21 (vorher Nr. 15).