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Vom Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft bis zum Ende des 2. Weltkriegs

Welch einschneidende Änderungen die Machtergreifung der Nationalsozialisten mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 mit sich brachte, beweisen nicht nur die hinlänglich bekannten neuen Gesetze, allen voran das Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933, sondern auch die ideologische Schulung und Weiterbildung der Lehrer im NS-Lehrerbund, da auf diesem Wege, durch die Heranbildung “fanatischer Ideen- und Willensträger”, eine Veränderung des Denkens in den breiten Volksmassen am ehesten und schnellsten möglich schien. 

Neben der selbstverständlichen Angleichung der Lehrpläne an die faschistische Weltanschauung, waren es vor allem “die nationalen Schul- und Gedenkfeierlichkeiten”, die als verpflichtende Veranstaltungen für Lehrer und Schüler das Gemeinschaftsbewusstsein stärken und fördern sollten.

Eine herausragende Rolle spielten in diesem Zusammenhang die Rundfunkübertragungen des von den Nationalsozialisten beherrschten Reichssenders München. In den späteren Jahren des “Dritten Reiches” war es vor allem die Hitlerjugend, die eine immer größere Rolle in der schulischen und außerschulischen Erziehung spielte. Eine Auswahl der wichtigsten “Gedenk- und Schulfeiern” soll den Geist dokumentieren, der damals auch an den Volksschulen, wie z.B. der Sophienschule, herrschte. 

  • Am 24. April 1934 gedachten die Schüler “des Erwerbs, der Entwicklung und des Verlustes unserer Kolonien”. Anlass war die Gründung deutscher Kolonien 1884 in Südwestafrika, Togo, Kamerun, Ostafrika, Neuguinea, dem Bismarck-Archipel und auf den Marshall-Inseln. 
  • Der 21. März 1934 wurde als “Großkampftag der Arbeitsschlacht” propagiert. Gefeiert sollte die Arbeitsbeschaffung werden. Der Schulleiter ließ die Schülerinnen und Schüler in der Turnhalle versammeln, wies in einer Ansprache auf den Sinn des Tages hin und schilderte die volkswirtschaftliche Bedeutung “der Arbeitsschlacht”. Im Anschluss daran hörte man gemeinsam die Übertragung des “Arbeitsschlacht-Programms” aus München im Rundfunk an.
  • Die Schulfeier zum 1. Mai gestalteten die Lehrer beziehungsweise der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB). Die Schuljugend stand pünktlich um 9 Uhr auf dem Platz, auf dem am Nachmittag die allgemeine Kundgebung vorgesehen war. Die Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler ab dem 11. Lebensjahr war Pflicht. Gesungen wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. An Orten mit verschiedenen Schulgattungen wählte der Obmann des NSLB einen Redner aus, soweit ihn nicht der politische Leiter der NSDAP bestimmte.
  • Anlässlich des 175. Geburtstages Friedrich von Schillers am 10. November 1934 fand bereits am 9. November 1934 eine Gedenkstunde statt, die der Sender München als Reichssendung ausstrahlte und von allen Schulen angehört werden musste. Dagegen wurde eine vom Bayerischen Volksbildungsverband veranstaltete Hermann-Löns-Feier im Oktober 1934 dem Besuch der oberen Klassen der Volksschulen nur empfohlen. 
  • Die “Woche des Deutschen Buches” vom 4. bis 11. November 1934 hatte den Zweck, in den Oberklassen der Volksschulen im Sinne des Regimes auf die kulturelle Bedeutung wertvollen Schrifttums hinzuweisen. Die Lehrkräfte organisierten in diesem Rahmen örtliche Feiern, Vortragsabende und Buchausstellungen. 
  • Der Rückkehr des Saarlandes wurde am 1. März 1935 um 9 Uhr in einer kurzen würdigen Feier in allen Schulen gedacht. Der übrige Unterricht fiel an jenem Tage aus. 
  • Die Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges hatte alljährlich am Montag nach Reminiszere stattzufinden. 
  • Auch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 musste in allen Schulen feierlich bekannt gegeben werden. 
  • Am 23 September 1935 war in einer Feierstunde des “Tages des deutschen Volkstums” zu gedenken. 
  • Die am 2. Oktober 1935 stattgefundene Überführung des verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in die Gruft des Tannenberg-Denkmals gab Anlass, während des Unterrichts in geeigneter Weise des Verewigten zu gedenken und die Rundfunkübertragung der Trauerfeier gemeinsam anzuhören. 
  • Die überragende Bedeutung des “Gründungstages des 3. Reiches“ am 30. Januar hatten die Schulleiter 1936 in einer würdigen Feier hervorzuheben. Die Hitler-Jugend umrahmte diese Feier mit Liedern und Sprechchören. 
  • Als am 6. März 1936 der tödlich verunglückte Kultusminister Hans Schemm zu Grabe getragen wurde, war allen Lehrern und Schülern Gelegenheit zu geben, die Übertragung der Trauerfeierlichkeit im Rundfunk zu hören. 
  • Selbstverständlich hatten an Hitlers Geburtstag, dem 20. April, alle Schüler unterrichtsfrei, aber nicht schulfrei. Sie mussten an “würdigen Feiern” teilnehmen und der örtlichen Parade der Wehrmacht beiwohnen. 
  • 1938 war die politische Führung des Reiches am “Tag der Machtübernahme” durch die NSDAP, dem 30. Januar, mit einer “würdigen” Gedenkstunde am letzten Unterrichtstag vor dem 30.1. zufrieden. 

Nachdem Hitler den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, erlitt die Sophienschule das gleiche Schicksal wie 23 Jahre vorher im ersten großen Krieg, sie wurde Lazarett. Die Kinder, die bisher das Schulhaus an der Wörthstraße besucht hatten, wurden auf die Schillerschule und die Pestalozzischule verteilt.

Am 16. Februar 1944, als sich die Niederlage der Hitler-Wehrmacht bereits abzeichnete, reichte das Heeresbauamt Bayreuth Pläne für einen Luftschutz-Deckungsgraben ein, der das Schulhaus über den Knaben-Schulhof mit der Turnhalle verbinden und mit der Schulhofoberfläche bündig abschließen sollte.

Zweck dieses Unternehmens war es, Verwundete bei eventuellen Luftangriffen aus der Turnhalle sicher in die zwei Luftschutzräume im Keller der Knabenschule zu bringen. Nachdem das Projekt von allen amtlichen Stellen grünes Licht erhalten hatte, wurde es zügig gebaut und im Herbst 1944 fertiggestellt.